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Spirits Weg zum Leistungsnachweis

Erst mit drei Jahren gekört

FIRST FLIGHT SPIRIT wurde erst mit drei Jahren zur Hauptkörung des Trakehner Verbandes in Neumünster im Oktober 2010 vorgestellt. Das entsprach einer Möglichkeit, die eine Satzungsänderung des Trakehner Verbandes dankenswerter Weise für spätreife Halbblüter drei Jahre zuvor eingeräumt hatte.

Es entsprach aber auch unserer Abscheu, die Hengste so früh und intensiv für die Körung mit 2 Jahren und damit für ihren ersten Auftritt in der Öffentlichkeit vorzubereiten und damit psychisch und körperlich stark zu belasten.

Es war eine sichere Körung als Spezialhengst für die Vielseitigkeit, sein Züchter erhielt den Dr.-Eberhardt-von-Velsen-Gedächtnispreis, der an den Züchter des besten gekörten Halbblüters verliehen wird.

 

Der Weg zur endgültigen Zuchtbucheintragung

Nach dem neuen Deutschen Tierzuchtgesetz gibt es weiterhin nur einen rein über den Sport führenden Weg zur unbegrenzten Zuchtverwendung. Das ist jedoch ein langwieriger Weg, der den betreffenden Hengst lange von der Zuchtverwendung fern hält.

Der kürzeste Weg führt über die stationäre 70-Tage-Leistungsprüfung, über eine recht laborhafte Prüfung, die nichts für Blutpferde ist.

Dazwischen gibt es einen Weg über etwas Labor (30-Tage-Test) und viel Sport, der die Zuchtverwendung kontinuierlich ermöglicht. Außer der bestandenen Veranlagungsprüfung (30-Tage-Test) wird bei spät gekörten der Nachweis einer 7,5 in einer DrPf.-, SprPf.- oder GPf.-A gemäß LPO im Alter von 4 Jahren verlangt. Die Projekt-Nurmi-Prüfung, eine Feldprüfung über 48 Stunden, wird als spezielle Form einer Geländepferdeprüfung anerkannt. Um endgültig ins Hauptbuch eingetragen zu werden, muss ein Hengst sich dann noch z.B. für das Bundeschampionat qualifizieren.

Wir entschieden uns im individuellen Fall für den letzt genannten Weg, obwohl er langwieriger ist. Er bleibt im wesentlichen im Einflussbereich des Eigentümers und wird in Richtung des Vielseitigkeitssports orientiert.

 

Tätigkeiten von FIRST FLIGHT SPIRIT im Jahr 2011

Nach seiner Körung wurde FIRST FLIGHT SPIRIT noch in 2010 angeritten und mit Beginn des Jahres 2011 regelmäßig aber weiterhin schonend geritten. Wir taten nichts extra, um seine Spätreife gegen seine Altersgenossen nun möglichst schnell auszugleichen. Für uns stand die Nachhaltigkeit seiner Ausbildung als zukünftiges Sportpferd im Vordergrund, das heißt, dass er in seiner Leistung in der Vielseitigkeit auf einen möglichst hohen und lang andauernden Gipfel kommen soll.

Weil er in der Besamung per Frischsperma eingesetzt werden sollte, wechselte er im März 2011 zu Gerard Geling zu dessen Station in Timmrade. Dort wurde er reiterlich von Zita Paustian weiter betreut. In dieser Zeit ging es um seine stressfreie Grundausbildung in den Grundgangarten, um Losgelassenheit und Takt, sowie Ausbalanciertheit unter dem Reiter. Auch lernte er, sich im freien Gelände ruhig unter seiner Reiterin zu bewegen. Es ging nicht darum, einen schnellen spektakulären Vorzeigeeffekt zu erreichen.

Außerdem musste er in das Deckgeschäft mit einem Phantom eingeführt werden.

 

Neun Stuten aus ganz Deutschland wurden in dieser Zeit von ihm belegt. Eine kam nach einer ersten Besamung während der ganzen Deckperiode nicht mehr in Rosse. Alle anderen acht wurden jeweils 6 Wochen nach der Besamung als tragend gemeldet. Insgesamt waren nur sehr wenige Besamungen pro Stute nötig, so dass Gerard Geling den Hengst als ausgezeichnet fruchtbar einstuft. Damit haben wir eine erste züchterische Information und die zweite werden wir mit den von ihm gezeugten Fohlen bekommen.

 

Ab Ende Juni 2011 kam FIRST FLIGHT SPIRIT zum Gestüt Heidekaten zurück und Fleur Schnee nahm ihn reiterlich unter ihre Fittiche. Nun galt es, ihn so auszubilden, dass er noch im Jahr 2011 den nötigen Leistungsnachweis liefern konnte, um auch im Jahr 2012 als 5-jähriger decken zu dürfen.

 

Züchterische Bewertung

FIRST FLIGHT SPIRIT nahm zunächst an der Projekt-Nurmi-Prüfung in Valluhn vom 30.09. bis zum 02.10.2011 teil, die er mit der vielseitigkeitsorientierten Endnote von 8,00 abschloss. Schon kurz darauf lieferten wir ihn am 17.10.2011 beim Westfälischen Pferdezentrum in Münster-Handorf für den 30-Tage Veranlagungstest ab. Er beendete den Test am 16.11.2011 mit der Endnote 7,33 und den Zuchtwerten Dressur: 88 Pkte., Springen: 83 Pkte.

 

Das ist – gemessen an konsolidiert gezogenen Hengsten - kein Vorzeigeergebnis, aber damit hat er alle Bedingungen des Trakehner Verbandes erfüllt. Es wäre in diesem Zusammenhang sehr interessant einmal zusammen zu stellen, wie viele Halbblüter in den letzten Jahren die endgültige Zuchtzulassung gar nicht erreicht haben. Während seine Ergebnisse aus der Trainingszeit sehr gut vorzeigbar sind (eine 7 im Trab, ansonsten alle Noten zwischen 8,0 und 9,5), brach er in der Abschlussprüfung etwas ein. Das war wohl einerseits den häufigen Ortswechseln geschuldet mit allen dadurch bedingten Umstellungen im Futter, in den Stallungen, und der Art der Haltung, sowie der Umstellung auf ständig neue Bezugspersonen. Zum anderen müssen wir eine „Mitschuld“ für den kleinen Einbruch im Abschlusstest auf unsere Kappe nehmen. Denn wir sind es, die für seine smoothe, artgerechte Haltung und Ausbildung – manche würden sie „lax“ nennen - verantwortlich sind.

 

Schließlich hat die Hälfte der in Münster-Handorf versammelten Hengste es nicht so wie unser FIRST FLIGHT SPIRIT geschafft, in beiden Zuchtwerten über 80 zu liegen. Das war er sich denn doch als kommendes Vielseitigkeitspferd schuldig. Eigentlich sollten wir dieses Argument bei unserer grundsätzlichen Einstellung zu Zuchtwerten für Spezialblüter gar nicht anführen. Denn was sind schon unsere Deutschen Zuchtwerte für Dressur und Springen angesichts der Tatsache wert, dass der als Vererber für die Spitzemvielseitigkeit ganz oben stehende STAN THE MAN xx gerade mal 82 Pkte für die Dressur und 82 Pkte für das Springen erreicht. Jetzt könnten wir Kalauern: „Da ist ja unser „Spirit“ besser.“ Aber wir ziehen diesen Kalauer zurück. Wir stehen nicht hinter den Zuchtwerten als Bewertung von Spezialblütern.

 

Die hohen Deutschen Zuchtwerten für die Dressur oder/und für das Springen stehen für Konsolidation, d.h. bis zu einem gewissen Grad aber auch für Verarmung in ihrem Genpool. Zuchtwerte sind Mittelwerte, sie geben die Lage der Spitze der hohen, aber relativ schmalen Glockenkurve an. Von den Mittelwertkönigen weiter führt es nur über die Zufuhr neuen Blutes sei es durch einen Angehörigen des Spezialbluts oder seines Halbblutnachkommen oder durch Einkreuzung eines „Mittelwertkönigs“ aus einer anderen Rasse (siehe Totilas). Letzteres liegt bekanntlich nicht auf der Linie des Trakehner Verbandes.

 

Konsequenz

Also bleibt nach der Konsolidierung zur weiteren Optimierung nur der Weg über das Spezialblut, in der Vielseitigkeit sowieso, aber auch in der Spezialzucht für Dressur und Springen. Dazu kann FIRST FLIGHT SPIRIT beitragen.


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